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bildo intermedial / X94 Akademie der Künste Berlin-Brandenburg
     
bildo intermedial stellt die Frage nach den ästhetischen Schnittstellen zwischen verschiedenen Medien. Photographie, Computergraphik und interaktive Computerinstallation treten in einen Dialog, der wie jeder Dialog innerhalb der Künste ein Netzwerk von Wirkungen und Rückwirkungen darstellt: Interstallationen, Computerphien und Photophiken. Ebenso wie die Photographie im neunzehnten Jahrhundert das Paradigma der Modernität zu verkörpern schien, tun das heute die mit digitalen Techniken aufgerüsteten Bildmaschinen. Aber anders als in den Bereichen von Technik und Naturwissenschaft ziehen die neuen Qualitäten in der Kunst nicht die alten aus dem Verkehr. Technische Innovationen sind nichts weiter als eine Reaktion auf die bildnerischen Problemstellungen, die die Zeit bewegen. Deshalb ist die mediale Technik im Bereich der Kunst keine Anwort, sondern das Negativ davon. Der Einzug der digitalen Techniken in die Photographie zeigt, was die künstlerischen Gebrauchsweisen der Photographie, nach W.H.F. Talbot’s ‘Worte des Lichts’ schon lange offengelegt haben, daß das photographische Bild mehr als eine Kopie der Wirklichkeit ist, nicht Realitätsbefestigung, sondern Realitätserzeugung. Es ist die Tendenz zu beobachten, daß der Einsatz der digitalen Gestaltungsmittel wieder wesentlich von der Prämisse der Realitätsbefestigung ausgeht, d.h. sich mit der Aufgabe, eine ‘Wirklichkeit’ zu kopieren, begnügt. Dies scheint fast mit unausweichlicher Notwendigkeit das Resultat der Technisierung der Einbildungskraft zu sein.

Eine affirmative Haltung ist endlich durch eine produkive zu ersetzen. In der Ausstellung werden Arbeiten gezeigt, die der photographischen und computergraphischen Affirmation die produktiven Kräfte des Mediums, der medialen Technisierung die ästhetische Präzision entgegensetzen. Die Konzeption der Ausstellung beleuchtet alte und neue Medien in ungewöhnlicher Weise. Durch das Wirrwarr von Effekten, Fassaden, Kunst und Werten führt der intermediale Weg, einer, der die Botschaften zwischen den zur Verfügung stehenden Techniken und Werkzeugen ändert und transformiert. Mit dem Ziel, die visuellen Informationen und ihre Träger aus vielerlei Winkeln zu vergleichen und kennenzulernen, um Entscheidungen und Unterscheidungen treffen zu können. Dabei scheint auch in der Glätte und Anonymität technischer Bilder Spezifisches, Eigenes, wenn auch nicht Einmaliges auf, Prozesse, die lesbar sind und die Kunst verändern.

Born/Heine/Lingnau, 1994