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einbilder Römer- und Pelizaeus-Museum
     
Prof. Dr. Dieter Lüttge

Eröffnungsrede zur Ausstellung „Einbilder“ von Anna Elisa Heine und Thomas Born im Roemer Museum Hildesheim

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

die Stadt Hildesheim hat gemeinsam mit dem Kunstverein zu dieser Doppelveranstaltung eingeladen, bei der die Ausstellungen „Schatzkammer Roemer Museum - Kostbarkeiten aus der Kunstgewerbesammlung“ und „Einbilder“ von Anna Elisa Heine und Thomas Born aus Berlin eröffnet werden.
Der Kunstverein freut sich, daß ihm nun zum zweiten Mal seit seinem Bestehen die Gelegenheit gegeben ist, die Räumlichkeiten des Museums für eine Ausstellung zu benutzen. Die ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten beschränken sich in Hildesheim im wesentlichen auf den sehr schönen, für größere Ausstellungen jedoch nicht gut geeigneten Kehrwiederturm. Großformatige Exponate, wie sie in dieser Ausstellung zu finden sind, haben dort keinen Platz.
Der Kunstverein hofft, daß auch in Zukunft die Möglichkeiten der Zusammenarbeit gepflegt werden können, damit der Ausstellungsbe-trieb für Hildesheim vielleicht auch weitere Facetten gewinnen kann.
Die Idee zu der jetzt präsentierten Ausstellung wurde bereits 1986 geboren. Bis in dieses Jahr hinein reichen unsere Kontakte zu Anna Elisa Heine, die 1972 ihr Abitur an einem Hildesheimer Gymnasium ablegte.
Ich nehme an, daß es vielen von Ihnen, meine Damen und Herren, so ergangen ist wie mir, als sie den Titel der Ausstellung lasen und sich fragten, was wohl hinter dem Namen „Einbilder“ stecke!? Dieser Begriff ist zuerst von dem Kulturphilosophen Flusser benutzt worden, der sich mit dem Phänomen der neuen Medien und insbesondere mit der Fotografie beschäftigt hat. Flusser bezeichnet Fotografen und Filmer als Einbildner und versteht sie als Menschen, die durch ihre kreative Tätigkeit, über ihre Produktionen nicht die Wirklichkeit abbilden wollen, sondern den Betrachtern Möglichkeiten zur Imagination, zur Einbildung eröffnen wollen.
Anna Elisa Heine und Thomas Born benutzen die Möglichkeiten der Fotografie nicht, um die uns umgebende Welt realistisch abzubilden, sie fordern durch ihre Art der Gestaltung zur aktiven Betrachtung heraus. Sicher steckt hinter dem Bemühen die Erfahrung, daß die zum Masssenmedium gewordene Fotografie, der wir täglich in Presse und Werbung begegnen, mit der wir als Besitzer von Foto- und Filmapparaten Gegenstände, Vorgänge, Situationen zu dokumentieren versuchen, häufig eher zu einer mehr flüchtigen, nicht zum Eigentlichen vordringenden Betrachtung führt. Erinnerungen von Reisen und Familienfeiern werden im Bild festgehalten oder Menschen, Tiere, Landschaften, Gebäude mit der Kamera eingefangen, damit man sich später am vollendeten, gelungenen Bild erfreuen kann. Jedes Foto kann, betrachtet man es in der rechten Weise, die Persönlichkeit seines Urhebers widerspiegeln. Es läßt Schlüsse zu, wie der Urheber die Wirklichkeit um sich herum wahrnimmt und interpretiert, meist allerdings nur dann, - von Zufallsergebnissen einmal abgesehen -, wenn er mit dem Werkzeug umgehen kann und wenn er in der Lage ist, seinen Blick für mehr als nur die Oberfläche der beobachteten Objekte, Personen und Situationen zu öffnen. Es ist eine Fehlannahme, wenn er glaubt - bei allem Bemühen um Objektivität und Sachlichkeit - seine subjektiven Erfahrungen blieben in der Gestaltung gewissermaßen draußen vor der Tür.
Walter Koschatzky schreibt in seinem Buch „Die Kunst der Fotografie“ im Kapitel „Kunst gegen Vergänglichkeit“: „Die Erfindung der Bildaufzeichnung hat die Welt verändert; kann es doch darüber keinen Zweifel geben, daß unter allen Bildmitteilungen unserer Zeit die Fotografie eine dominierende Rolle spielt. Nun hat die ganze Geschichte der Bildkünste mit der Bedingtheit des Menschen zu tun, in seinem unabänderlichen Geschick dem Lauf von Werden und Vergehen ausgeliefert zu sein. Die Vergänglichkeit eines jeden Augenblicks ist das ewig vorgegebene Trauma des Menschen. Durch sein schöpferisches Handeln tritt er dem entgegen.“
Reizvoll wäre es, sich im Angesicht der uns umgebenden Objekte mit der Frage des Verhältnisses zwischen Kunst und Fotografie auseinanderzusetzen. Vielleicht würden wir aber gerade mit dieser Diskussion einen Zugang zu den ausgestellten „Einbildern“ verhindern, die Möglichkeit zur Imagination verstellen. Deshalb will ich auch der Versuchung widerstehen, ausgehend von einem Essay Walter Benjamins, der sich mit dem Verhältnis von Fotografie und Kunst eindrücklich auseinandergesetzt hat, mich mit dieser Frage zu beschäftigen.
Anna Elisa Heine und Thomas Born zeigen in ihren Einbildern, wie sie ihre Umwelt sehen und in der Art, wie sie sie abgebildet haben, . . . (Textfortsetzung nicht mehr auffindbar)