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medienkunst Neuer Berliner Kunstverein
     
Text aus dem Katalog zur Ausstellung ‚Medienkunst‘ im Neuen Berliner Kunstverein
Berliner Künstler der Gegenwart, Heft 81


Am Anfang: die Idee

Zwei Künstler haben sich der Aufgabe gestellt, visuelle Medien und moderne Kommunikationstechniken miteinander zu kombinieren, zu potenzieren und auf einen erweiterten Wahrnehmungsradius auszurichten. Thomas Born und Anna Elisa Heine kommen beide u.a. von der Photographie her und wandten sich, im übrigen auf getrennten Wegen, sehr rasch wissenschaftlich orientierten Experimenten zu: topographische Luftaufnahmen, mikroskopische Verfremdungen, serielle Rasterstrukturen, Forschungen im 3D-Bereich sind nur einige Hinweise auf einen unüblichen künstlerischen Entwicklungsprozeß. Es geht im Prinzip um die Angleichung, wenn nicht gar die versuchte Identifikation von Wissenschaft und Kunst in einem übergreifenden tertium comparationis. Was dabei unter dem Strich herausschaut, sind im wesentlichen ästhetisierte Modelle von einer überfremdeten Wirlichkeit.
Das Bild im klassischen Sinn entstehe, so Born, aus der Imagination; es muß erfunden werden. Im Gegensatz dazu sei bei einer Kameraaufnahme alles schon vorhanden, nämlich als Reproduktion von Wirklichkeit. Hier aber greift das ästhetisierende Skalpell ein und zerschneidet, zerstückelt, durchmischt die Materialien, ordnet sie neu, rationalisiert ihre Erscheinungsbilder in eine festgefügte Form. Im elektronischen Studio entstehen digitalisierte Sequenzen. Born/Heine sehen dort ihre künstlerische Zukunft, wo der Computer synthetische Bilder erzeugt, die keiner äußeren Wahrnehmung folgen, sondern allenfalls einer anderen Ebene entsprechen. Das Bild hört endgültig auf, Abbild zu sein. Mit diesem Ansatz stehen die beiden Medienkünstler in einer zunehmenden Phalanx synthetisch-konkreter Kunstexperimente. Was sie indessen von vielen verwandten Exerzitien unterscheidet, ist ihr Wunsch, durch den Gestaltungsprozeß das Irrationale wieder hereinzuholen. Ja, mehr noch: einen meditativen Raum zu erzeugen, eine „Aura“ herzustellen.
Die entstehenden Phänomene sind, obschon sie durchaus auf Wiedererkennung pochen, nicht im Faktischen angesiedelt. Es klingt wie die Melodie einer verschütteten Kenntnis, die durch neue Kombinatoriken zur Erkenntnis strebt. Zuerst, sagt Thomas Born, ist die Idee da. Ein kühner Satz. Es folgt die Suche nach dem adäquaten künstlerischen Ausdruck. „Wahrnehmungsspielerisch“ wird er mittels visueller Techniken (Photo, Video, Computer) erzeugt, oder auch, im hergebrachten Sinn, gefunden. Licht und Bewegung spielen eine zentrale Rolle beim künstlerischen Gestaltungsvorgang, denn Anna Elisa Heine und Thomas Born sind sich als Avantgarde-Medienkünstler der physikalischen Raumzeitlichkeit, der vierten Dimension stets bewußt.

Lucie Schauer

 
   
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