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sensorium commune Kunst- und Medienzentrum Adlershof Berlin
     
Neue Arbeiten von Thomas Born im Kunst- und Medienzentrum Adlershof
Seit den Anfängen seiner künstlerischen Tätigkeit, Ende der 70ger Jahre, befaßt sich der Medienkünstler Thomas Born mit der Thematik, die man, seitdem Jaron Lanier in den 80ger Jahren den Begriff "virtual reality" geprägt hat, als Virtualität des Raums bezeichnen kann.
Borns neueste Arbeiten dazu bilden den Kern einer Ausstellung, die das Kunst- und Medienzentrum Adlershof mit seinen Werken veranstaltet. Dabei handelt es sich um raumgreifende Installationen, die sich auch als "Sehmaschinen" bezeichnen lassen, die auf der Basis computergenerierter Bilder für den Betrachter einen dreidimensionalen Raum entstehen lassen. Damit ist die neue Ausstellung vor allem die konsequente Fortführung von Borns Projekten "Hole & Hill" 1985, "Fantomas" 1988 und "Binokulare Installationen" 1987. Mit seinen Installationen stellt uns Born ein "sensorium commune" zur Verfügung, das uns zurückführt in die Urschicht der Wahrnehmung, uns dazu bringt, auf die Wahrnehmungserfahrung zurückzugehen und uns mit der Naivität unserer Wahrnehmungsakte auseinanderzusetzen.
Unsere Wahrnehmung kommt zu ihren Gegenständen, und einmal konstituiert, erscheint der Gegenstand als Ursache all unserer tatsächlichen oder möglichen Erfahrungen. Wir sehen einen Gegenstand unter einem bestimmten Blickwinkel, wenn wir unmittelbar davor stehen, anders sieht es von der anderen Seite her aus, wieder anders von innen, nochmals anders aus der Luft betrachtet. Der Gegenstand selbst ist keine dieser Erscheinungen, es ist, wie es Leibnitz ausgedrückt hat, das "Geometral" dieser und aller anderen möglichen Erscheinungen, d.h. das von dem alle Erscheinungen abzuleiten wären, es ist der Gegenstand von nirgendwoher gesehen. Das Geometral selbst ist demnach unsichtbar. Natürlich erfolgt der Zugang zu den Gegenständen, der Blick, immer von irgendwoher aus, aber, und darauf verweisen die Arbeiten von Thomas Born, ohne daß das Sehen selbst in unsere Wahrnehmung eingeschlossen wäre. Die reflexive Kraft von Borns Medienkunst besteht vor allem darin, daß sie uns vor Augen führt, wieviel von dem, was wir für Wahrnehmung halten, unsichtbar ist und uns vor Augen geführt werden muß.
Die Arbeiten von Thomas Born tun das mit großer Konsequenz und offenbaren uns, daß Virtualität keine exklusive Kategorie des digitalen technischen Sektors ist, sondern schon in der künstlerischen Auseinandersetzung mit den Problemen des Raums angelegt ist. Über die neuen Arbeiten hinaus werden in der Ausstellung ausgewählte Arbeiten aus 25 Jahren medienkünstlerischen Schaffens des Künstlers zu sehen sein. Borns Arbeiten aus drei Jahrzenhnten dokumentieren ein Stück deutscher Medienkunstgeschichte, das in dieser Ausstellung zum ersten Mal zu sehen sein wird. Medienkunst zu Beginn des neuen Jahrhunderts läßt sich damit in ihren Entwicklungslinien und Quellen in anschaulicher und transparenter Form begreifen.

Jochen Lingnau, 2000