Die Fassade - Blick der Bilder
 


Die Fassade - Blick der Bilder, 1987
Bild-Text-Projekt über das ehem.
Lagerhaus Wissinger in Berlin.
Born, Heine, Lingnau

geschlossen: 34 x 25 cm
aufgeklappt: 68 x 25 cm

 

Zeit
DUREE CONCRETE / inneres Zeitbewußtsein, ist ein beständiges
Aufrollen wie beim Faden auf ein Knäuel, denn unsere Vergangenheit
folgt uns, sie wächst unaufhörlich mit der Gegenwart, die sie unentwegt
aufnimmt, und Bewußtsein bedeutet Gedächtnis. (Bergson)

Zeitmaschine
Die Spule ohne Faden
Das Bild der Spule ohne Faden steht für den Versuch eines Bewußtseins
ohne Gedächtnis. Ein Bewußtsein der reinen Form. Keines der raum-
zeitlichen Strukturierung der Visualität, sondern Zeit und Raum als
Formen der Anschauung. Die Auffassung, daß Erkenntniskategorien
gleichzeitig entsprungen, entwickelt, geworden und in einem wahr sein
können, ist überholt von der, die sich anschickt, den Mythos zu demontieren,
der, das kein Gewordenes wahr sein kann. Eine Ästhetik des Visuellen hätte
ihren Wahrheitsgehalt nicht aus den Objektivitäten der Sozialhistorie, der
Geschichte abzuleiten, sondern sich aus dem Panzer der Notwendigkeit
dieser Gestalt zu befreien.

Raum
Der Gefangener des Aufstiegs
Die Kategorien des Aufstiegs lassen sich in Polaritäten aufteilen: Weite/Enge,
Höhe/Tiefe, rechts/links, davor/dahinter, nah/fern, etc.. Damit korrespondieren
Kategorien der Wahrnehmung, ebenfalls aufgelöst in Polaritäten: hell/dunkel,
leicht/schwer, groß/klein, etc.. Erliegt die offene Erfahrung des Raumes solchen
logischen Zentrierungen seiner Kategorien, werden wir zu Gefangenen dieses
Aufstiegs zum Logischen. Die Bilder sprechen nicht bloß, sind narrativ,
rhapsodisch, sie sind Sprache müssen als Chiffren begriffen werden. Die
Nomenklatur dieser Sprache der Bilder könnte sich am Schnittpunkt von Raum
und Zeit bloßlegen lassen. Die Sprache der Bilder könnte man verstehen als eine,
die nicht in Zeichen spricht. Der Ausdruck der Bilder ist sozusagen ihr Blick auf
uns, wie ihn Rilke in der Zeile denn da ist keine Stelle, die dich nicht sieht“
festgehalten hat. Die Bildersprache transformiert kommunikative Inhalte in
mimetische. Und die blicken zuerst uns an, erst dann wir sie.