Das Ei des Kolumbus

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Eröffnung der Ausstellung 'Medienkunst' (Bild vergrößern)



bildo akademie für Kunst und Medien (Bild vergrößern)


Erstveröffentlichung 1991:
Das Ei des Kolumbus
Thomas Born, Anna Elisa Heine, Jochen Lingnau
F + F Zürich - das offene Kunststudium, Benteli Verlag Bern
 

"Auch in dieser Nacht fuhr er nicht auf seinem Kurs, sondern segelte mit wechselnden Winden in südlicher und südöstlicher Richtung, einmal so und ein andermal so, und er fuhr auch nach Nordost Ostnordost, und geradeso ging es den ganzen Tag." Christoph Columbus, Schiffstagebuch, 28.2.1482.

"Wir sind, glaube ich, in einem Moment, wo sich die Welt weniger als ein großes sich durch die Zeit ent-wickelndes Leben erfährt, sondern als ein Netz, das seine Punkte verknüpft und sein Gewirr durchkreuzt."
Michel Foucault.

Medienkunst schafft andere Erlebnisräume als die, die wir kennen. Im Raum der materiellen Welt sind wir Teil eines Ensembles von Objekten, darin bewegen wir uns oder werden darin bewegt. Die Vorstellungen von solcher Bewegung sind durch das Erlebnis der Objektwelt erzeugt und werden durch sie verändert und korrigiert. Aber schon in dieser Welt kann es dem Reisenden passieren, daß er, blickt er aus dem Fenster des fahrenden Zuges, nicht mehr erkennt, ob sich das eigene Eisenbahnabteil oder der Zug auf der anderen Seite in Bewegung setzt. Fehlt der Hintergrund, dessen Unbeweglichkeit klar zu erkennen ist, ist keine Folie vorhanden, auf der die Bewegungen gedeutet werden können. Betrachter von medialen Ereignissen sind keine im Raum handelnden oder im Raum bewegte Wesen mehr. Die fixen Pläne und Landkarten, auf denen sie ihre wechselnden Positionen verzeichnen könnten, sind ihnen abhanden gekommen. Sie müssen ohne fertige Karten reisen wie Cook, Perouse, Vancouver, Mackenzie, Bering, Columbus. Nur die perfekte kartografische Erfassung des Raums macht ihn homogen und füllt ihn mit Orten. Um die Geschichte des Raums, der nicht homogen und leer ist, zu fassen, gebraucht Michel Foucault den Begriff der Heterotropie. Dieser Raum ist aufgeladen mit Qualitäten und bevölkert von Phantasmen. Eine Bestimmung, die sich für die Beschreibung des Raumes der Medienkunst eignet. Dieser immaterielle Raum hat die Geschichte seiner Entdeckung und Erforschung noch vor sich, sein Australien, Ozeanien, Indien, sein Süd- und sein Nordpol müssen noch entdeckt werden. Seine Eingeborenen, seine Indianer, Tartaren und Pygmäen noch beschrieben werden. Wie das Meer seine äußere sichtbare Bewegung, wie es Wellen und Stürme hat, so hat es auch Bewegung in seinem Inneren, die Strömungen die wechselnde Tiefen durchlaufen, warme und kalte Gegenströme. Auch die medialen Meere der technisch hergestellten Bilder, in denen wir manchmal zu ertrinken scheinen, müssen wohl nicht nur die glatte, spiegelnde, wellenlose Oberfläche der Monitore haben. ...

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